Unter dem Motto „Zwischen Welten“ präsentierten am vergangenen Freitagabend über 80 Schülerinnen und Schüler der Albert-Schweitzer-Schule in der Aula ein eindrucksvolles und vielfältiges Theaterprogramm. Fünf Kurse aus den Jahrgangsstufen E2, Q2 und Q4 zeigten in ihren Stücken ganz unterschiedliche Zugänge zum Thema, verbanden dabei aber alle die Frage nach der eigenen Identität, illusionsgeladenen Realitäten und der Suche nach echtem Sein – und zeigten dabei, wie kreativ, humorvoll und nachdenklich Schultheater sein kann.

Den Auftakt gestaltete die E2 unter der Spielleitung von Schulleiter Tim Sauerwein mit der selbst entwickelten Szenencollage „#real?“. In humorvollen, aber zugleich nachdenklichen Szenen nahmen die Schülerinnen und Schüler ihr eigenes digitales Verhalten aufs Korn. Immer wieder brachten sie das Publikum zum Lachen – nur um es im nächsten Moment innehalten zu lassen, wenn Themen wie Hatespeech oder soziale Isolation aufkamen. Besonders das finale Bild wirkte lange nach: Alle 26 Jugendlichen legten ihre Handys ab, fassten sich an den Schultern, bildeten eine Einheit und blickten in die Menge und erklärten gemeinsam: „Wir sind echt!“

Im Anschluss zeigte der zweite Kurs aus der E2 unter der Leitung von Mirjam Stöger ein experimentelles Stück, das auf Shakespeare-Motiven beruhte und diese in einen „Essay“ zu Shakespeares Werken zusammenschnitt. Das Publikum wurde dabei selbst zum Diaprojektor, indem es mit „Klick-Klack“-Impulsen der Erzähler durch das Schließen und Öffnen der Augen neue Standbilder zu sehen bekam, die später in gespielte Szenen übergingen. So entstand ein beeindruckendes Wechselspiel aus Bewegung und Bedeutung – vom Licht der Hoffnung bis in die dunklen Tiefen der Verzweiflung, ganz wie bei Shakespeare, wo am Ende der Tragödien viele Figuren ihr Leben lassen.

Nach der Pause folgte die Inszenierung der beiden Kurse aus der Q2, die unter der gemeinsamen Leitung von Laura Wetzel und Tim Sauerwein „Peter Pan“ auf die Bühne brachten. Das fantasievolle Stück entführte die Zuschauer in das bunte, lebendige Niemalsland – mit Piraten, Fischen, die Seifenblasen ausstießen, Gesang und Lichtspielen. Besonders die Unterwasserwelt mit ihren vielfältigen Figuren und choreografierten Bewegungen als auch die Piraten mit ihrem eigenen Lied, das für rhythmisches Klatschen im Publikum sorgte, begeisterten. Doch bei aller Leichtigkeit brachte das Stück auch ernste Töne: Nach und nach entlarvt sich die vermeintliche Traumwelt für Wendy als Ort der Verantwortungslosigkeit, sodass sie Peter Pan zur Rede stellt und damit konfrontiert, der dies aber nicht reflektiert. Wendys Entscheidung, das Niemalsland hinter sich zu lassen, wurde zum berührenden Sinnbild des Erwachsenwerdens.

Den Abschluss des Abends bildete der Kurs aus der Q4 mit dem Stück „Früher war alles besser“, erneut unter der Leitung von Mirjam Stöger. In ruhigen Bildern und mit eindrücklicher Körperarbeit reflektierten die Darstellerinnen gesellschaftliche Rollenerwartungen an Frauen – gestern wie heute. Das Publikum lauschte still, sichtlich bewegt von der Kraft der Inszenierung, die mit feinen Gesten und leisen Zwischentönen große Wirkung entfaltete.
Am Ende eines intensiven Abends versammelten sich alle Schülerinnen und Schüler auf der Bühne. Vor einem bis auf den letzten Platz gefüllten Saal erhielten sie langanhaltenden Applaus und als Zeichen der Anerkennung eine Rose der drei Spielleitungen – ein symbolischer Abschluss des Abends. Die Dankbarkeit und Freude war allen Beteiligten anzusehen – ein gelungener Theaterabend, der zeigte, wie lebendig, reflektiert und gemeinschaftlich Theaterarbeit an der Albert-Schweitzer-Schule ist.
