Der ASS-Talk: Den Dingen auf den Grund gehen

Der ASS-Talk: Den Dingen auf den Grund gehen

Am 13. März begrüßte Burkhard Rabe von Pappenheim in der Glashalle der Albert-Schweitzer-Schule mit Prof. Dr. Eberhard Gischler seinen mittlerweile siebten Gast im Rahmen der ASS-Talkreihe. Dabei berichtete der Geowissenschaftler, der 1982 sein Abitur an der ASS abgelegt hatte, schulische Anekdoten und schilderte wesentliche Stationen seines beruflichen Werdegangs.

Privates

Dieser führte ihn von seinem Geburtsort Helmarshausen, die Schulen in Bad Karlshafen und Hofgeismar u.a. nach Göttingen, Frankfurt und über Florida vor allem zu den drei großen B: Bermuda, Bahamas und Belize. Dabei kamen auch private Details wie die Musik zur Sprache, denn Prof. Dr. Gischler spielt seit Studientagen Saxofon in seiner eigenen Band, der Saxy Groove Band, die im vergangenen Jahr auch in Hofgeismar einen Auftritt gehabt hat; als Inspiration für die musikalische Ausrichtung gab der Gast den Film Blues Brothers an.

Akademisches

Befragt nach seiner Motivation für die Geologie als Studienfach antwortete Prof. Dr. Gischler, er habe von seinem Vater das Interesse für Paläontologie und Fossilien geerbt; das habe es aber nur in Kombination mit Geologie als Studienfach gegeben. So erklärt sich auch seine Doktorarbeit, die er über den Iberg im Westharz verfasste, der im Zeitalter des Devon ein Korallenriff südlich des Äquators war und ein Paradebeispiel für seinen Fachbereich der Biosedimentologie bildet. Wie Prof. Dr. Gischler ausführte, sei in einem solchen Riff fast alles, was fossil werde, ein Organismus, seien es nun Skelette, Schalen, Gehäuse von Tieren und Pflanzen oder Mikroben.

Auf Nachfrage des Moderators erklärte er, dass Geowissenschaft mit alten Gesteinen und ausgestorbenen Organismen arbeite, aber im Sinne des Aktualismus auch an der heutigen Zeit interessiert sei und nach Pendants im Modernen suche, um das Vergangene besser erklären zu können.

Berufliches

Dass das wissenschaftliche Interesse aber genauso auch rückwärtsgerichtet ist, wurde deutlich, als Prof. Dr. Gischler von den Bohrungen am Grund des sogenannten Great Blue Hole vor der Küste von Belize berichtete. Die entnommenen Bohrkerne ermöglichten es, so der Wissenschaftler, die Zahl der Stürme über den Zeitraum der letzten 5700 Jahre zu bestimmen und daraus Prognosen für die Zukunft zu erstellen. Dabei sei zum einen deutlich geworden, dass es im Schnitt fünf bis sechs Sturmereignisse pro Jahrhundert gegeben habe, dass andererseits in den letzten Jahrzehnten eine langfristige Zunahme solcher Sturmlagen zu beobachten sei.

Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse nach seiner Prognose befragt, äußerte sich Prof. Dr. Gischler zuächst skeptisch zur Zukunft der Korallenriffe und ggf. auch der Menschheit. Das  Leben aber werde immer irgendwie weitergehen, wenn auch möglicherweise mit anderen Organismengruppen, da die Evolution immer weiterlaufe; vom Menschen werde aber vor allem Plastik bleiben. Damit ging ein informativer Abend zuende, an dem es dem erfahrenen Moderator Burhard Rabe von Pappenheim wieder einmal gelang, von seinem Gesprächspartner interessante und nicht alltägliche Details zu erfahren.

Vorausgegangen war die Begrüßung der Anwesenden durch Gabriel Hund-Göschel, der für die Schulleitung sprach, und Michael Störmer, der als Vorsitzender des Fördervereins und Vorstandsmitglied des Kulturforums Hofgeismar für Einladung und Organisation der Veranstaltung verantwortlich zeichnete.