Dem Klimawandel auf der Spur – Cash Crop-Anbau und Agrarwelthandel in Zeiten des Klimawandels
Tropengewächshaus Witzenhausen, Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen und bekannt als "Grünes Schaufenster" der Universität Kassel

Dem Klimawandel auf der Spur – Cash Crop-Anbau und Agrarwelthandel in Zeiten des Klimawandels

Juni 2026 – 28 °C in Kassel schon um 9 Uhr morgens!

Nicht nur einer der vier Trinkwasserbrunnen in der Kasseler Fußgängerzone lässt uns erkennen: Der Klimawandel ist da. Die Anpassungsbestrebungen deutscher Kommunen an den Klimawandel sind auch in diesen Anlagen erkennbar, und wie gut, dass es sie gibt. Denn Wasser – ein offizielles Menschenrecht – ist nicht für alle auf der Welt jederzeit und frei verfügbar, auch wenn die Vereinten Nationen im Jahr 2010 dieses Recht anerkannt haben und es Bestandteil der globalen Nachhaltigkeitsziele der Agenda 2030 (s. Nachhaltigkeitsziel 6) ist.

Trinkwasserbrunnen in Kassel (Königsplatz) (Foto: K. Bruns)

Während die städtischen Raumplaner sich sichtbar um mehr Resilienz, also Widerstanzfähigkeit, bemühen und wir somit unsere Trinkflaschen auffüllen können, kämpfen andere Länder mit den Folgen des Klimawandels. 50 bis 100 Liter Wasser täglich pro Person zum Trinken, Kochen, Waschen und für die Hygiene sind angedacht, doch die Realität ist von diesem Ziel noch weit entfernt. Der persönliche und häusliche Bedarf an dieser lebenswichtigen Ressource soll oberste Priorität vor anderen Nutzungen wie Landwirtschaft oder Industrie haben. Doch bereits jetzt bereiten die hohen Temperaturen Sorgen, ob die Trinkwasserversorgung auch in Deutschland bereits mittelfristig gefährdet sein könnte. Und auch die Landwirtschaft spürt weltweit die Folgen des veränderten Niederschlagsverhaltens, dessen Extreme Dürrephasen und Starkregenereignisse mit weitreichenden ökologischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen sind.

Wie sich der Klimawandel auf den Cash Crop-Anbau zweier auch bei uns begehrter tropischer Pflanzen auswirkt, deren Früchte die „Kaffeekirsche“ bzw. Kakaoschoten mit ihren Kaffeekernen bzw. Kakaosamen sind, erfuhren die zwei Geographiekurse der Jahrgangsstufe 11 auf zwei Exkursionen im Rahmen des Europaschulprojektes „Agrarwelthandel – früher und heute“. Die Exkursionen führten uns in den Weltladen Karibu in Kassel (18.06.2026) bzw. ins Tropengewächshaus Witzenhausen (22.06.2026).

Film von „fairafric“, der bis jetzt einzigen in Afrika produzierten Schokoladenmarke (Foto: K. Bruns)

Beim Besuch des Tropengewächshauses (Geographie-Grundkurs 05) bzw. des Weltladens (Geographie-Grundkurs 06) mit ihren jeweiligen Workshops konnte nicht nur ein Einblick gewonnen werden in den Veredelungsprozess, den zeitaufwändigen und komplexen Verarbeitungsprozess von den Samen bzw. Kernen hin zur gerösteten Bohne, sondern in die Produktionskette insgesamt. Diese wurde, beginnend mit der Rodung des Regenwaldes über die Anlage der jeweiligen Plantagen bis zum Endverbraucher nachgestellt. Dabei wurde erkennbar, dass die Wertschöpfung zwischen den beteiligten Akteuren des Globalen Südens bzw. Nordens ungerecht verteilt und somit nicht „fair“ ist. Zusätzlich negativ wirken sich die Folgen des Klimawandels auf die Kakao- und Kaffeepflanzen aus, die mit zunehmender Trockenheit und Schädlingsbefall kämpfen, was die Ernten bedroht. Insbesondere die älteste und beliebteste Kaffeesorte „Arabica“, die ihren Ursprung in Äthiopien hat, ist zunehmend von Missernten betroffen.

Die Kaffee Arabica-Pflanze mit weißen Blüten und grünen Kirschen (Foto: K. Bruns)

Ausgewählte Veredelungsschritte wurden nach allgemeinen Informationen zu den Pflanzen von den Teilnehmenden selbst praktiziert. Im Tropengewächshaus wurden zunächst die einzelnen klimatischen Abteilungen mit ihren typischen Nutzpflanzen besucht. Im Anschluss konnte u.a. ein halber Sack Kaffeebohnen (im Originalgewicht: 60 kg) getragen werden, um die Arbeitsbedingungen im Transport ein Stück nachzuempfinden. Zudem konnten die Teilnehmenden die Bohnen für eine eigene Tasse Kaffee selbst rösten.

Ungeröstete Bohnen – Röstvorgang bis zur gewünschten Bräunung – Mahlvorgang (Foto: K. Bruns)

Im Kasseler Weltladen konnte im Kakaomodul der Prozess der Schokoladenherstellung praktisch nachvollzogen werden, indem eigene Pralinen hergestellt wurden, die aufgrund der hohen Temperaturen im Kühlschrank aushärten mussten.

Pralinenherstellung (Foto: K. Bruns)

Einblicke in globale Welthandelsstrukturen, Prinzipien des Fairen Handels, landwirtschaftliche Alternativen zum Plantagenanbau u.v.m. wurden an verschiedenen Stationen mithilfe unterschiedlicher Perspektiven (Plantagenarbeiter, multinationales Kaffeeunternehmen, Börsenspekulanten u.a.) und auf der Basis verschiedener Informationsmedien erörtert. Abschließend wurden Lösungsansätze für bessere Wertschöpfung und Wertschätzung für die Menschen im Globalen Süden diskutiert, wobei die unterschiedliche Aussagekraft der vorhandenen Gütesiegel deutlich wurde.

Anbauländer, Produkte und Siegel, links Kakao, rechts Kaffee (Foto: K. Bruns)

Produktionsketten nachstellen (Foto: K. Bruns)

Ausgewählte Siegel kritisch betrachtet (Foto: K. Bruns)

Trotz der unangenehmen Tagestemperaturen und der zum Teil langen Fahrtzeiten konnten beide Exkursionen unser Wissen vertiefen und unseren Blick für globale ökologische und sozioökonomische Zusammenhänge schärfen. Wir bedanken uns bei den Referentinnen für die spannenden Einblicke und bei der Schule für die Finanzierung aus Europaschulmitteln.